Thursday, September 12, 2013

Rollentausch - der Sturz Lumumbas als mein Held

Bevor ich im Kongo angekommen bin, waren die Fronten klar - der Böse Norden gegen den Armen Süden. Mittlerweile hat sozusagen ein Rollentausch stattgefunden. Die ehemals verdammten Vereinten Staaten von Amerika können durchaus nicht für Alles schlechte im Kongo verantwortlich gemacht werden, obwohl sie eine Mittäterschaft mit Ihrer Jahrzehntelangen Unterstützung von dem Diktator Mobutu nicht abstreiten können.

Dennoch sind ihre wirtschaftlichen Interessen,  als auch die der Belgier und Frankreich, extrem gering. Mit einem friedlichen Ende des Konfliktes im Osten würde sich das evtl. ändern. Zur Zeit sind es jedoch afrikanische Staaten und Kongolesen selbst dir ihr Land ausnehmen. Ganz oben auf der Liste der Profiteure stehen Rwanda, Uganda und Südafrika. Die Chinesen sind auch nicht zu verkennen, obwohl ihr Milliarden-Abkommen von 2010 immer noch strengster Geheimhaltung unterliegt. Jedenfalls kann man Europa und USA nicht klar als Übeltäter bezeichnen.

Gleichzeit ist mein ehemaliger Held und erster Premierminister des DR Kongo - Patrice Lumumba - von seinem Thron gestürzt worden. Seit meiner Ankunft habe ich immer mal wieder gehört wie über ihn schlecht geredet wurde, das er übereilt und unüberlegt gehandelt habe und somit das ganz Land in den Abgrund hat fallen lassen.




Die überstürzte Unabhängigkeit von Belgien (die Kongolesen hatten gerade mal 4 Monate um Wahlen zu organisieren, Parteien zu formalisieren, Institutionen aufzubauen ...und alles was dazu gehört, mit gerade mal 16 Uni-Absolventen in einem Land von 22 Millionen!). Als Belgien bereits kurz nach Unabhängigkeit "einmarschierte," unter dem Vorwand seine noch im Kongo lebende Landsleute zu schützen (tatsächlich haben sich einige Kongolesen Luft gemacht nach der jahrelangen Unterdrückung, und es kam zu Übergriffen, Vergewaltigungen und Morden an Belgiern während der ersten Monate. Tatsächlich war allerdings das wirtschaftliche Interesse mindestens genauso gross), wendete sich Lumunba an die Vereinten Nationen um einzuschreiten. Nachdem diese sich nicht sofort einigen konnten (es würde ihr erster Blauhelm Einsatz überhaupt in der Geschichte der UN sein, und sich u.a. Moskau für sofortige Hilfe ausgesprochen hatte), ging sein nächstes Bittgesuch sofort an Chruschtschow. Mit einem Schlag/Telegramm war eine neue Front im Kalten Krieg eröffnet: Afrika.

David von Reybrouck beschreibt Lumumba in seinem Buch "Kongo - eine Geschichte" während den ersten und einzigen Wochen in seiner Stellung folgendermassen:
"Das Bittgesuch an Moskau war weder durch Lumumbas Sprunghaftigkeit motiviert noch durch seine labile Persönlichkeit, sein grundsätzliches Misstrauen, sein unangemessenes Verhalten oder welche Charakterzug auch immer man ihm nachsagte. Lumumba galt tatsächlich als reizbar und launenhaft, aber wer heute die Telegramme an die Vereinten Nationen und die Sowjetunion liest, nimmt ein ganz anderes psychologisches Register wahr: Panik! Panik gekoppelt mit bodenlosem Zorn, grosser Angst, die Kontrolle zu verlieren und Furcht, ermordet zu werden."

Ende Juli beschloss Lumuba dann selbst nach Amerika zu fliegen um mit den USA und der UNO zu verhandeln. Das übliche Verfahren fuer solch einen Besuch wurde umgangen. Ein Mitarbeiter Lumumbas begab sich zur amerikanischen Botschaft, verlangte auf der Stelle 24 Visa für den Premie und dessen Gefolge. Es gab keine Termine, kein Protokoll, keine Terminabsprachen. "Diese Nonchalance war bezeichnend für das Improvisationshafte der jungen kongolesischen Regierungsmannschaft. ... 

Da keine Begegnung vereinbart worden war, weigerte sich Präsident Eisenhower, ihm eine Audienz zu gewähren. Bei der UNO war man darüber konsterniert, in welcher Art Lumumba 'unmögliche Forderungen stellte und sofortige Resultate verlangte'. Douglas Dillon, der stellvertretende Aussenminister der USA, beschwerte sich über seine "irrationale, fast psychotische Persönlichkeit: "Er sah einem nie in die Augen, er schaute in die Luft,. Und dann folget ein gewaltiger Redeschwall (...) Seine Worte standen nie im Zusammenhang mit dem, was wir besprechen wollten. Man bekam das Gefühl, dass er als Person von einem Eifer besessen war, den ich nur als messianisch beschreiben kann. Er war einfach nicht rational (...). Das er ausserdem noch einen Spitzenbeamten des Aussenministeriums bat, ihm eine blonde Escort-Dame zu besorgen, kam auch nicht besonders gut an."

Der letzte Satz war dann auch der letzte Nagel im Sarg für meinen Held Lumuba. Reden konnte er gut. Aber für sein Land hat er doch Recht wenig zu Stande gebracht. Ähnlich wie Mandela sein Glanz in Südafrika für mich verloren hat, hat auch Lumumba seinen Glanz im 
Kongo eingebüßt. Die Situation war sicherlich schwer, allerdings haben Menschen wie Mutter Theresa, Martin Luther King oder Thomas Sankara auch in Zeiten des Kampfes Ruhe und Weitsichtigkeit bewiesen die Lumumba offensichtlich fehlten.
 

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