Thursday, September 5, 2013

Warum Entwicklungshilfe oft mehr zerstört als hilft




Während mein kleiner, großer Bruder seine grün-weiße Kerb in der alten Heimat von Gross-Zimmern feierte, und ich leider kein Rückflugticket hatte, blieb mir nichts anderes übrig meinen regnerischen Samstag melancholisch in der Hängematte zu verbringen, um mehr über die Geschichte des Kongo’s zu lesen und umgeben von meinen zwei liebsten Tieren… die sich auch noch zuckersüß umarmten.






Am Sonntag ging es dann zusammen mit David (hier rechts im Bild – also nur von hinten) nach Iyolo - Grüner Boden, weisser Himmel  : ) 











Einem kleinen Dorf ca. 2 Stunden von Mbandaka entfernt. Dort arbeitet ein dritter Franzose, Robin, an der Anlegung eines Reisfeldes. Zuerst muss aber der dicke Regenwald abgefällt werden.






Mehrere Monate Arbeit – ohne Maschinen – müssen 15 Männer per Handarbeit die alten Riesen erlegen und entwurzeln.

Wie praktikabel dieses Projekt ist, bleibt dahingestellt. Ein Markt für Holz gibt es immer (auch wenn der Export offiziell seit 2002 illegal ist). Wasser gibt es genügend. Und die Menschen haben Hunger… Reis ist also keine schlechte Idee?!




Robin ist bereits seit 5 Jahren in der Equateur Region als  Landwirt tätig. Eigentlich kommt er aus der Alpen-Gegend von Süd Frankreich. Von der Gemeinsamen Agrarpolitik Europas hält er jedoch recht wenig und ist lieber aktiv im Kongo tätig. Einiges gesehen hat er schon… u.a. auch wie das Welternährungsprogramme die letzten Jahre über immer wieder ‚Spenden‘ verteilt hat. Diese als Entwicklungshilfe zählende Spenden kommen häufig aus den USA (Europa macht aber ähnliches vor allem in den Afrikanischen Märkten). Hier wird der genmanipulierte Mais der USA via US AID (die Entwicklungshilfegesellschaft der USA) an den Mann gebracht. Nach Europa darf er ja auch schließlich nicht verkauft werden. Das ich nichts Neues. Schon seit Jahrzehnten werden Überproduktionen oder nicht absetzbare Ware in Dritte Welt Länder gedumpt. Hier führte es zum Sturz der Maispreise von 12000 CF (ca. €12) auf 2500 CF (€2,50).



Da denkt sich vielleicht der Ein oder Andere – ist doch super, billiger Mais (abgesehen davon das er genmanipuliert ist). Wäre auch eventuell der Fall wenn die Menschen hier nicht selbst Mais anbauen würden. Aber wem kann ich meinen Mais verkaufen, wenn die nette Hilfsorganisation den Mais umsonst verteilt? Ja genau. Niemanden. Und ohne Sparkonto, Rücklagen oder Kreditwürdigkeit, wie finanziere ich das Saat Gut zum nächsten Anbau? Gar nicht. Nett gemeint, aber total daneben. Es entstehen Abhängigkeiten – körperlich und geistiger Art und Weise – die nur schwer wieder ins Gleichgewicht zurückgebracht werden.

  

Eine Schwesterorganisation, auch unter dem Dach der Vereinten Nationen, tut ähnlich viel Gutes. Die FAO (oder Ernährungs- und Landwirtschaftsorganisation der Vereinten Nationen) hatte die brillante Idee ein Paar Reismühlen zu verschenken. Auch wieder, SUPER IDEE, ABER… alle traditionellen Reis-Mühlen musste natürlich schließen. Innerhalb eines Jahres waren die Geschenke der FAO futschi-kago und keiner hatte das Wissen um sie wieder zu reparieren. In Jahr zwei gab es also weder traditionelle noch geschenkt-elektrifizierte Reismühlen. Ich liebe es wenn ein Plan funktioniert.



Also was tun. Als Erstes gilt immer – den ‚lokal Context‘ verstehen. Auf alt deutsch: Ohren und Augen auf, erst mal verstehen was Sache ist, und dann versuchen mit den Jungs vor Ort an Lösungen zu arbeiten. Leichter gesagt als getan. Aber so wie es bisher läuft wage ich zu sagen, lieber gar keine Entwicklungshilfe als so Eine.







Toller Ausflug war es trotzdem. Schließlich durfte ich Barfuß durch den Regenwald stöbern. Fast so gut wie mit dem kleinen Elefanten Kerb zu feiern ; ) Fast.

Am Ende haben wir auch noch ein Paar Baby-Bäume geklaut. Sie heissen hier Raupen-Bäume, und die Raupen werde hier als Fleisch Ersatz gerne auf die Speisekarte gesetzt.  Bis das bei unseren Kleinen der Falls sein wird, wird es allerdings noch ein Weilchen dauern. Ca. 10 Jahre bevor es soweit ist. Gut Ding will Weile haben. Das gilt für Natur … und Entwicklungshil








Hier noch ein Paar Kühe – ein seltener Anblick in der Gegend! Unser Fleisch (also das von den Anderen, ich bin ja immer noch Vegetarier, obwohl das in Afrika eine ECHTE Herausforderung ist, wenn man überleben will….) wird von den Russen eingeflogen! JA, die Russen kommen. Allerdings nur um die kleinen Viehscher abzuladen – gezüchtet wird hier nicht, aber geschlachtet.

 


Und zum Abschluss noch ein Bild von meine zwei liebsten Kongolesen : )

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