Wednesday, April 10, 2013

Mobutu


Tim Butcher beschreibt den Diktator in seinem Buch „Blood River- ins dunkle Herz des Kongo“ (Seite 230 ff. – Danke an Uwe für dieses Buchgeschenk)auf folgende Weise:
Mobutus diktatorische Herrschaft, die von seiner Machtübernahme durch einen Putsch im Jahre 1965 bis 1997 andauerte, führte zu dem Ausbruch allseitiger Gewalt im heutigen Kongo. Es war Mobutu, der das Land seines Reichtums beraubte, der die nationalen Ressourcen so schamlos plünderte, dass Ökonomen das Ausmaß bis heute noch nicht genau beziffern können. Schätzungen reichen von Millionen bis zu Milliarden Dollar. Als er an die Macht kam, besaß der Kongo eine blähende Mineralindustrie, die auf Kupfer aus der südöstlichen Provinz Katanga und Diamanten aus der Zentralprovinz Kasai beruhte. Als er im Mai 1997 aus dem Amt gejagt wurde, um ein paar Monate später im Exil (Marokko) zu sterben, war das Land pleite, und die Minen gaben nur einen Bruchteil dessen her, was 50 Jahre früher gefördert worden war. Im Lexika wird Mobutus Herrschaft als Musterbeispiel für Kleptokratie genannt, einen Staat, in dem zügellose Gier und Kurroption ein normales Wirtschaftsleben aushöhlen.“
[Mobuto war Teil von der ersten demokratisch gewählten Regierung von der Unabhängigkeit 1960, mit Patrice Lumumba als Prime Minister. Hier ist der Film „Lumuba“ heiss zu empfehlen, für alle die ich noch nicht gesehen haben : ) In dem Film sieht man den jungen Mobuto, schon damals kaltblütig und machtgierig,… aber was folgen würde wusste wohl keiner]
Hier der Link zu dem Film Trailer Lumumba:
Die Belgier hatten es [vor der Unabhängigkeit 1960] fahrlässiggerweise versäumt, kongolesische Politiker heranzuziehen, die bei dr Unabhängigkeit das Heft in die Hand nehmen konnten – das belgische Kolonialgesetz untersagte es Kongolesen, hochrangige Positionen in der Armee, der Verwaltung sowie in judikativen und anderen Staatsorganen zu besetzen. Als die Kolonialmacht abzog, verfügte das riesige Land über kaum eine Handvoll Laute mit Hochschulbildung. Die Herrschaft über den Kongo fiel nicht in die Hände eines Kaders geschulter, erfahrener und gebildeter Staatsmänner, sondern junger Draufgänger, denen mit einem Mal Posten von enormen Einfluss winkten.
Mobuto war gerade 30, als der Kongo unabhängig wurde, und als das Land fünf Jahre lang in den Fängen der Gewalt verblieb, nutzte er seine führende Stellung in der Armee [die er mehr durch Glück als Verstand ergattert hatte – siehe Film Lumumba] geschickt aus und überzeugt Amerika und den Westen davon, dass er der einzige kongolesische Politiker war, der den reizbaren Riesen im Herzen Afrikas in den Griff bekommen würde. Es funktionierte. Der Putsch, der ihn 1965 an die Macht brachte, geschah mit der Billigung Washingtons“[…] Mobuto sorge auf brutalstsmöglicheweise für Stabilität. Rebellenführer wurden mit Amnestieversprechen aus dem Exil gelockt, bevor er an Folterungen starb [Genitalien und Glieder wurden abgetrennt, der Körper in den Kongo geworfen]. Er ignorierte Forderungen nach freien und fairen Wahlen und bündelte die Macht in den Händen einer eingeschworenen Clique aus Freunden, Verwandten und Kumpanen.
Mobutos Bösartigkeit war nicht ohne Glanz. Er tat als der vollendete Selbstdarsteller auf, als er 1974 George Foreman und Muhammad Ali zu dem berühmtesten Wettkampf der Boxgeschichte, dem „Rumble in the Jungle“ nach Kinshasa einlud. Die Concorde, das einzige Überschallpassagierflugzeug der Welt, wurde extra gechartert, um entsprechende Vorräte an Champagner rose von Paris zu seinem Dschungelpalast in Gbadolite im Norden des Landes einzufliegen. Die Landebahn wurde extra verlängert, damit der Jet landen konnte. […]Und mit seiner Leopardenfellmütze und einem Gespür für Dramatik etablierte er sich al eine der prägendsten afrikanischen Gestalten des Kalten Krieges. […] In der postkolonialen Ära Ihr Ende, als afrikanische Diktatoren wie Mobutu die Rivalitäten im Kalten Krieg zwischen den Großmächten ausnutzten, um sich dem Westen anzuschließen und geriet so in den Genuss dermaßen großzügiger finanzieller und militärischer Unterstützung von Washington, dass er unantastbar wurde.“ (Tim Butcher, in Teilen zusammengefasst)

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